Solistin
Elisa Wittbrodt
Dirigent
Robert Wittbrodt
Christoph Willibald Gluck, Ouvertüre zu „Alceste“ Wq. 44
Christoph Willibald Ritter von Gluck (1714 – 1787) gilt als einer der herausragenden Erneuerer der Gattung Oper im 18. Jahrhundert. Hatte er bis 1761 Opern im italienischen Stil komponiert, so löste die Begegnung mit dem Librettisten Ranieri Calzabigi ein Umdenken aus. Glucks Oper „Alceste“ gehört zu den ersten, die den Rahmen der gängigen Intrigen- und Arienoper sprengte. Seine Opernreform stand unter dem Motto „Einfachheit, Wahrheit, Natürlichkeit und musikalische Unterstützung der Handlung“. Die 1767 für das Wiener Burgtheater komponierte erste Fassung von „Alceste“ wurde von Gluck selbst neun Jahre später in eine zweite, französische Version umgearbeitet. Die Ouvertüre, die mit einem bedrohlich wirkenden Schreiten der Bässe beginnt, nimmt die düstere Grundstimmung der Handlung vorweg. Die Musik entwickelt sich zu einem Andante, eine dramatische Steigerung findet nur allmählich statt und selbst auf dem temperamentvollen Höhepunkt klingen zerbrechliche Töne an. Im Konzertsaal wird heute üblicherweise die vom Dirigenten und Komponisten Felix Weingartner (1863-1942) instrumental erweiterte und mit einem Konzertschluss versehene Fassung der Ouvertüre gespielt.
Camille Saint-Saëns, Suite für Orchester D-Dur op. 49
Charles Camille Saint-Saëns (1835 – 1921), über die Genre-Grenzen hinaus berühmt vor allem durch seinen „Karneval der Tiere“, war nicht nur ein musikalisches Wunderkind, sondern eine hochgebildete Persönlichkeit und als Pianist, Organist, Dirigent, Musikwissenschaftler und vor allem Komponist Promotor einer französischen Nationalmusik. Sein einzigartiges Œuvre, das bei allen konservativen Zügen auch Bereitschaft zum Experiment erkennen lässt, spiegelt dies wider.
Die Originalversion der Suite op. 49 entstand 1863 für Solo-Harmonium, die Orchestrierung folgte 1869. Die Satzfolge orientiert sich an barocken Tanzsuiten: So beginnt das kurze Präludium in D-Dur (Allegretto moderato) mit einem wellenartigen Thema der Streicher, das an das erste Thema aus Beethovens „Pastorale“ erinnert. Dieses wird vom Holzbläserchor wiederholt. Danach kehren sich die Rollen um, die Holzbläser sind dominant, während die Streicher eine harmonische Grundierung aufbauen. Die nachfolgende Sarabande steht in einem zurückhaltenden Dreihalbetakt, wie er für französische Barock-Sarabanden charakteristisch ist. Saint-Saëns hat hier elegante Soli für Flöte, Oboe und Fagott eingebaut. Im dritten Satz, einer Gavotte (Vivace), wechseln sich zunächst verspielte Staccati mit schweren Oktaven ab. Den Mittelteil gestalten die beiden Flöten über dem liegenden Grundton der Violinen zu einem bezaubernden Miteinander. Im vierten Satz, einer Romanze (Andantino cantabile) in G-Dur, erweitert Saint-Saëns den vollen Holzbläsersatz um das Englischhorn. Das Finale, ein beschwingtes Allegro vivace, ist ein stürmischer, chromatischer Satz, in dem der Komponist schnelle, dissonante Passagen zu einem starken Höhepunkt führt. Der heroische Abschluss wird durch Trompeten und Pauken verstärkt.
Franz Schubert, Konzertstück für Violine und Orchester D-Dur D345
Die Nummer 345 des Deutsch-Verzeichnisses ist ein erfrischendes, aber nur selten zu hörendes Werk, bei dem die Solistin ihr ganzes Können zeigen kann. Der neunzehnjährige Franz Schubert (1797 – 1828) schrieb es in dem Jahr, in dem er den Kompositionsunterricht bei Antonio Salieri abschloss und sein Elternhaus verließ. Aus dem Manuskript geht hervor, dass Schubert es für seinen Bruder Ferdinand komponierte.
Das kurze Konzertstück mit seiner eigenwilligen Orchesterbesetzung – neben den Streichern Oboen, Trompeten und Pauken – wird von einem feierlichen Adagio des Orchesters eröffnet, bevor die Solovioline mit virtuosem Schwung in ein Rondo-Allegro überleitet. Der nachfolgende Dialog zwischen Orchester und Violine hat seine Höhepunkte in den drei Solo-Couplets: Im ersten werden waghalsige Akkorde präsentiert, im zweiten gibt sich die Violine klagend in Moll, um schließlich im dritten Couplet mit brillanten Figuren den für Schubert so typischen instrumentalen Gesang zu entfalten.
Franz Schubert, Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 750 („Unvollendete“)
Beinahe wäre aus der „Unvollendeten“ eine „Unaufgeführte“ geworden. Franz Schuberts berühmte Sinfonie Nr. 7 entstand im Jahre 1822 und wurde erst im Dezember 1865 in der Wiener Hofburg öffentlich zu Gehör gebracht. Der Komponist hatte sie seinem Freund Anselm Hüttenbrenner anvertraut, der das Werk all die Jahre unter Verschluss hielt. Bei der Uraufführung wurde die Unvollendete frenetisch gefeiert. Die beiden erhaltenen Sätze bieten eine Fülle an meisterhaften Melodien, die weit über die Grenzen der Romantik hinausweisen. Ungewöhnlich ist schon die Wahl der Grundtonart: h-moll. Eine Sinfonie in dieser schwermütigen Tonart hatte es nie zuvor gegeben. Die düstere, fast bedrohliche Eröffnung des Werkes liefern die tiefen Streicher im pianissimo. Doch dann wird das Hauptthema von einer Weise im Ländlerstil abgelöst. Gerade diese melancholische Melodie verhalf der Unvollendeten zu ihrer anhaltenden Popularität. Sphärische Töne führen in den zweiten Satz (Andante con moto) ein. Die Tonart E-Dur steht in Kontrast zum dramatischen h-Moll des ersten Satzes. Warum Franz Schuberts innovativste Sinfonie unvollendet blieb, wurde nie geklärt. Wurde der Rest des Werks aus Unzfriedenheit zerrissen? Hat Schubert sie bewusst nie zu Ende komponiert? Das Rätsel wird sich wohl nicht mehr lösen lassen. Klar ist jedoch: Auch unvollendet ist die Unvollendete ein vollendetes Kunstwerk!
